Einführung: der Weg einer Notmeldung¶
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Die Lage¶
Bei einem großflächigen Ausfall der Kommunikation, etwa einem Blackout, funktionieren die üblichen Wege nicht mehr: Notrufe über das Telefon oder das Handy erreichen die Leitstellen nicht. In Wien richtet die Stadt für diesen Fall Lichtinseln ein, Anlaufstellen der Religionsgemeinschaften (Pfarren, Moscheen, Tempel und andere), in denen Bürgerinnen und Bürger Hilfe und Information bekommen. Die Lichtinseln sind mit Funk ausgerüstet und, wo es sich ausgeht, mit Funkamateuren des Notfunkreferats besetzt. So kommt eine Meldung aus der Nachbarschaft zum Krisenmanagement der Stadt, auch wenn sonst nichts mehr geht (Quellen: Richtlinie, Lichtinseln).
Der Weg einer Meldung¶
Kommen Menschen mit einem Notfall zur Lichtinsel, wird ihre Meldung aufgenommen, funkend weitergegeben und von der Funkstelle in der Einsatzleitstelle an die Meldesammelstelle des Kriseneinsatzstabs übergeben; dort endet der Weg für die Funkamateure. Der Stab entscheidet, die Antwort geht denselben Weg zurück.
Hin:
- Aufnehmen. Eine Person schildert den Notfall. Der Funkamateur an der Lichtinsel schreibt den Wortlaut auf (Meldeaufnahmeformular oder Meldebuch). Zur Sicherheit liest er ihn zurück; die Person bestätigt, dass es stimmt (empfohlen, nicht zwingend).
- Funken. Die Meldung geht im lokalen Informationsnetz an den zuständigen K-Vorsorgestandort (Betriebsregeln). Ein Rücklesen durch den Empfänger ist empfohlen, aber nicht zwingend. Ist die Lichtinsel in kein lokales Netz eingecheckt, läuft es über das Informationsnetz Wien.
- Weitergeben. Vom K-Vorsorgestandort geht die Meldung an die Einsatzleitstelle (ELS) des Krisenmanagements, normalerweise über BOS-Funk, als Backup über das taktische Amateurfunknetz. Dort nimmt die Amateurfunkstelle (OE1XKS, solange die ELS am üblichen Ort arbeitet; sonst hat sie ein anderes Rufzeichen) sie auf.
- Übergeben. Der Funkamateur in der ELS übergibt die Meldung an die Meldesammelstelle. Sie gehört zum Kriseneinsatzstab, nicht zum Amateurfunk. Hier endet die Aufgabe der Funkamateure: Was der Stab mit der Meldung macht, entscheidet er. Die Meldesammelstelle nimmt die Meldung in ihr Geschäftsbuch auf und nennt eine Referenz; der Funkamateur trägt sie in sein Meldebuch ein.
Zurück:
- Der Stab entscheidet und antwortet über die Meldesammelstelle, zum Beispiel: „Diesel ist unterwegs, Ankunft 15:30.“
- Die Meldesammelstelle übergibt die Antwort dem Funkamateur in der ELS. Er nimmt sie wörtlich auf, funkt sie an den K-Vorsorgestandort.
- Der K-Vorsorgestandort gibt sie im lokalen Informationsnetz an die Lichtinsel weiter.
- Der Funkamateur an der Lichtinsel nimmt die Antwort auf und sagt sie der Person, die den Notfall gemeldet hat: „Hilfe ist unterwegs.“
Rücklesen heißt: die Meldung dem Absender noch einmal vorlesen. Es schützt vor Hörfehlern und ist empfohlen, aber nicht zwingend. Ist es nicht möglich, lassen Sie das Häkchen „Rücklesen“ im Meldebuch leer.
Zwei Rückmeldungen sind zu unterscheiden:
- Die Übernahme („Meldung angekommen, Referenz GZ 0412“) bestätigt nur, dass die Meldesammelstelle die Meldung hat. Sie kommt rasch und sagt nichts über die Hilfe.
- Die Antwort („Hilfe ist unterwegs“) kommt, wenn der Stab entschieden hat. Sie ist eine eigene Meldung mit Bezug auf die ursprüngliche.
Welche Stationen der Weg im Einzelfall wirklich berührt, hängt von der Lage ab. Das Bild zeigt den Regelweg der Richtlinie Notfunk Teil 2 – Wien.
Was Funkamateure dabei tun, und was nicht¶
Funkamateure sind in dieser Kette Überbringer, mehr nicht. Die Richtlinie sagt es so: Amateurfunkstellen sollen nicht selbst Nachrichten erzeugen, sondern nur übermitteln.
Funkamateure …
- nehmen den Wortlaut auf, wie er genannt wird,
- lesen wenn möglich zurück, damit nichts falsch ankommt,
- funken die Meldung weiter und geben die Antwort wörtlich zurück,
- halten Übergabe und Empfang fest.
Funkamateure …
- deuten, ergänzen, kürzen oder „verbessern“ den Inhalt nicht,
- geben keine Vermutungen oder ungeprüften Informationen weiter,
- veranlassen oder versprechen keine Hilfe selbst.
Jede Meldung, die übermittelt wird, gehört ins Meldebuch, und zwar so, wie sie gelaufen ist: mit Wortlaut, Zeiten, Übergaben und Antworten. Der Meldefluss soll bestmöglich lückenlos nachvollziehbar sein. Ist im Moment keine Zeit, schreiben Sie auf Papier mit und tragen die Meldung nach („Nachtrag vom Papier“).
Das Meldebuch hilft dabei: Der Wortlaut bleibt unverändert gespeichert, die Nummern sind lückenlos, jede Fassung bleibt erhalten, und es zeigt, wer wann was übergeben hat.
Wo das Meldebuch hineinpasst¶
Jede Station führt ein Meldebuch, jede Meldung hat eine Nummer. Der Weg einer Meldung ist im Meldebuch der Status:
| Station | Richtung | Status im Meldebuch |
|---|---|---|
| Lichtinsel, Meldung an den Stab | ↑ Ausgang | zur Übertragung → übertragen → Empfang bestätigt → beantwortet |
| Lichtinsel, Antwort des Stabs | ↓ Eingang | erfasst → übergeben (an die Person) → übernommen |
| Funkstelle der ELS, Meldung von der Lichtinsel | ↓ Eingang | erfasst → übergeben (an die Meldesammelstelle) → übernommen (mit Referenz) → beantwortet |
| Funkstelle der ELS, Antwort des Stabs | ↑ Ausgang | zur Übertragung → übertragen → Empfang bestätigt |
Die Notfunk-Nummer (W1-007) gehört der Station, die Referenz der
Meldesammelstelle (Geschäftsbuch) dem Stab; das Meldebuch führt beide
getrennt, damit die Listen zusammenpassen.
Betriebsregeln in Kürze¶
Aus der Richtlinie, soweit sie die Meldung betreffen (die Richtlinie selbst gilt, nicht diese Zusammenfassung):
- Jeden Funkverkehr bei der Leitstelle anmelden; nur senden, was nötig ist; warten, bis man gerufen wird.
- Zwischen den Durchgängen das Relais abfallen lassen und eine Sekunde Pause machen, damit Notrufe gehört werden.
- Deutlich, langsam und ruhig sprechen; bei den Fakten bleiben.
- Funktagebuch führen und das Meldeaufnahmeformular benutzen. Das Meldebuch ist dafür gebaut, auch ohne Internet zuverlässig zu laufen. Trotzdem müssen Sie auf einen Betrieb nur mit Papier vorbereitet sein, falls Gerät oder Strom ausfallen: Drucken Sie die Papierformulare vorher aus und halten Sie sie bereit: Leeres Formular (PDF) herunterladen (Ausdruck und PDF).
- Personenbezogene Daten sind zu löschen, wenn sie nicht mehr gebraucht werden (Richtlinie, Abschnitt Datenschutz). Das Meldebuch löscht nie von selbst; Einsätze und Sicherungen verwaltet man selbst.
Frequenzen und Netze der Richtlinie (Stand Ausgabe 1.0 vom 2024-10-20; die aktuelle Ausgabe gilt):
| Netz | Frequenz | Zweck |
|---|---|---|
| Informationsnetz Wien | 438,950 MHz (Relais Kahlenberg OE1XUU, Ablage −7,6 MHz, CTCSS 162,2 Hz); 438,650 MHz (Relais Laaerberg OE1XFW); 433,500 MHz bei Totalausfall der Relais | Ein- und Auschecken, allgemeine Nachrichten, Notmeldungen, wenn das lokale Netz nicht erreichbar ist |
| Lokale Informationsnetze | je Gruppe von Bezirken ein eigener UHF-Kanal (um 430 MHz) | Lichtinseln und Amateurfunkstellen mit dem K-Vorsorgestandort |
| Taktisches Netz | 70 cm, DMR | ELS und K-Vorsorgestandorte |
| Notruffrequenz | 145,500 MHz | wird nach Möglichkeit mitgehört |
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